Projekte
Utopia
Selbst im stets außergewöhnlichen Projekt-Schaffen des delian::quartetts gebührt dieser Kreation zusammen mit Ute Lemper ein besonderer Platz.
Utopia, ergänzt durch den Pianisten Tobias Deutschmann, ist so viel mehr als „nur“ ein erfüllender Konzertabend voller dramaturgischer Twists: Es ist eine Zeitreise und doch zeitlos; es ist höchst unterhaltsam und zugleich erschütternd; es erzählt von Absolutem und ist dabei zutiefst menschlich. Ein Format für Herz und Seele...
Utopia, das neue Konzertprojekt von Ute Lemper und dem delian::quartett, ist eine kathartische Reise, das bewegende Portrait einer vergangenen Zeit. Es beginnt in den Trümmern des Ersten Weltkriegs und führt durch die wilden und abenteuerlichen Jahre der Weimarer Republik mit ihren Goldenen Zwanzigern bis in die dunkelsten Nächte des Naziregimes. Die Reise endet in den Ruinen Berlins, aber mit einem Blick auf eine hellere Welt.
All das erzählt Ute Lemper zusammen mit dem delian::quartett und dem Pianisten Tobias Deutschmann mitreißend in Liedern der Zeit, die für das Ensemble eigens arrangiert wurden. Kurt Weill, Hanns Eisler, Friedrich Hollaender und Viktor Ullmann kommen zu Wort, jiddische Weisen rühren an als Echo der in den Ghettos Verlorenen, Quartett-Kompositionen Dmitri Shostakovichs kommentieren und reflektieren die Geschichte – und Erlösung weiß zuletzt eine „Kinderhymne“.
Das Nebeneinander von fröhlicher Unterhaltung und Verlust, von Traum und Wirklichkeit, Bösem und Hoffnung durchwirkt das gesamte Programm und macht Utopia zu einem Erlebnis, ewig aktuell und bleibend.
Sidekick
Hallo??, mögen Sie denken. Wie soll das denn gehen: ein Clown in einem Konzert mit Streichquartett. Selbst wenn’s ein so berühmter ist wie Peter Shub.
Vielleicht sind Sie neugierig, wieviel Spaß genau dieses fröhliche, familientaugliche, tabubrechende Projekt des delian::quartetts macht? Weshalb Sidekick ein echter Jungbrunnen ist, der im Saal stets einen Haufen ausgelassener Kinder allen Alters zurücklässt? Warum nach einem Konzert oft Zuschriften eingehen wie: „Danke für zwei Stunden Glückseligkeit“?
Na, dann: Hereinspaziert und Manege frei!
Ein Clown im klassischen Konzert…?? Und die heiligen Hallen, diese Tempel der Musik, durch Gelächter entweihen? Darf man das überhaupt?
Natürlich hat sich das delian::quartett, ehe es sein innovatives Projekt Sidekick an den Start brachte, diesbezüglich abgesichert. Als es im Mai 2020 Mozart auf einen Kaffee traf, fragte es zuerst ihn nach seiner Meinung. Er empfahl schmunzelnd seine Werke, und zwar nicht bloß seinen „musikalischen Spaß“ KV 522. Haydn, den die Delians ein paar Tage später anriefen, sagte, er sei erstaunt ob des Anliegens, da sie doch sein Streichquartett op. 33 Nr. 2 („Der Scherz“) so oft und stets mit derselben Publikumsreaktion aufgeführt hätten. Nach verschiedenen anderen, mit denen das Ensemble sprach, klopfte seine Bratschistin zuletzt noch bei Hindemith an, der ihr daraufhin die Partitur seiner „Ouvertüre zum ‚Fliegenden Holländer‘, wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt“ übersandte.
Um es kurz zu machen: Man darf. Die Musikgeschichte ist offenbar reich an Lachern im Konzertsaal, und viele davon waren sogar beabsichtigt.
Diesen Gedanken haben sich das delian::quartett und der berühmte Clown Peter Shub zu Herzen genommen. In ihrem interdisziplinären Konzert-Projekt verbinden sie in Zuneigung zur gegenseitigen Sache auf intelligente und empathische Weise Musik mit Comedy und Comedy mit Musik. Beginnen wird ein vollständiges, am Stück aufgeführtes Streichquartett – eine wahrhaft respektable Eröffnung. Im Anschluss an dessen so gut wie störungsfreie Darbietung wird nicht nur zu erleben sein, wieviel Spaß klassische Musik quer durch die Epochen macht, sondern auch, wie vielfältig Witz und Lachen klingen können.
Insbesondere geeignet ist Sidekick für ein junges Konzertpublikum. Wären wir Ärzte und Apotheker, wir empfählen es allen Kindern im Alter von 4 bis 100 Jahren. 101 ginge auch noch.
Astrid Lindgren. Unfug wird's von ganz allein
Ein weit geöffnetes kulturelles Scheunentor für alle: Astrid Lindgrens Schöpfungen kleidet das delian::quartett gemeinsam mit Ulrich Noethen hinreißend und maßgeschneidert in zwei große Streichquartette der Romantik.
Unfug wird’s von ganz allein beschert Besucher*innen nicht nur ein Konzerterlebnis in zwei kunterbunten Stunden, sondern, wie Astrid Lindgren sagen würde, einen rosenroten Tag.
Mit Astrid Lindgren. Unfug wird’s von ganz allein entführt das delian::quartett zusammen mit Ulrich Noethen sein Publikum, die Sechs- und die Sieben- ebenso wie die Sechzig- oder Siebzigjährigen, nach Hause in die Welt von Pippi Langstrumpf und Karlsson vom Dach, von Michel aus Lönneberga, Mio, mein Mio und den Brüdern Löwenherz, von Bullerbü, von der Krachmacherstraße und so vielen mehr. Die Musik des Formats entspringt passenderweise den Federn zweier Wunder-Kinder, des ersten und des letzten der Romantik: Mendelssohns drittes Streichquartett und Korngolds zweites erzählen ihre Geschichten selbst so suggestiv, dass sich das vielfach episodische Werk Astrid Lindgrens nahtlos und facettenreich hineinfügt, als hätten die Drei füreinander geschrieben.
Unfug wird’s von ganz allein ist ein Wohlfühlformat voll Witz und Weisheit, für das niemand je zu alt oder zu jung sein könnte. Das delian::quartett lädt herzlich ein – zu einem frechen, wilden, wunderbaren Vergnügen…
Beyond Schubert
Wohl wahr. Das Schubert-Portrait des delian::quartetts zusammen mit dem Pianisten Alessandro Deljavan ist den Traditionen verbunden. Es erfindet das Rad nicht neu. Es ist kein halsbrecherisches Bubenstück.
Und doch: Es ist ein echtes Delian-Projekt mit der besonderen Handschrift des Quartetts. Auf sehr persönliche Weise offenbart es Schuberts Werk in neuem Licht. Halten Sie gemeinsam mit uns die Zeiten an.
Formal wie inhaltlich spannend, gewährt das delian::quartett in Gemeinschaft mit dem Pianisten Alessandro Deljavan einen liebevollen, Horizonte eröffnenden Blick auf das Schaffen Franz Schuberts.
Die erste Konzerthälfte ist die persönliche Schubertiade des Ensembles. Darin stellt es eines der kaum gespielten frühen Streichquartette des genialen Komponisten zweien seiner späten Klavierstücke gegenüber. Jenes Echo eines Künstlerlebens mischt sich mit uralter und mit blutjunger Musik. Das Ergebnis ist ebenso überwältigend wie erstaunlich: Die so weit voneinander entfernten Werke erklingen wie Geschwister im Gespräch miteinander, ohne jeden Bruch, als hätten Komponisten aus drei Jahrhunderten füreinander geschrieben…
Das Gipfelstück einer vergangenen Epoche eröffnet den Abend: die letzte, unvollendete Fuga a 3 Soggetti aus Bachs „Die Kunst der Fuge“. Nach Vorstellung des dritten Themas über die Tonfolge B-A-C-H bricht Bachs Musik ab, und Schuberts viertes Streichquartett übernimmt mit seiner dunkel getönten Einleitung – ebenfalls einer Fuge. Erst wenn jene sich öffnet und das Allegro con moto des ersten Satzes beginnt, wird der Hörer gewahr, dass er die barocken Pfade längst verlassen hat.
An Schuberts Streichquartett schließt das Klavier nahtlos an. Die quirlige Atmosphäre des finalen Allegros der Streicher klingt in Philip Glass‘ Étude Nr. 13 für Klavier in neuer Klangsprache fort, ehe wir organisch zu Schubert zurückkehren. Schuberts Impromptu op. 90 Nr. 4 beendet den ersten Konzertteil mit funkelnden Girlanden.
Der zweite Teil des Konzerts vereint zuletzt die Protagonisten des ersten in einem der größten Klavierquintette der Musikliteratur – sinfonische Dimensionen persönlich gehört.
Tanz durch die Zeit
Sie sind eine Freundin oder ein Freund gepflegter Langeweile? Sie schätzen steifes Getue und zu enge Klamotten? Sie möchten einfach nur Ihre Ruhe haben, und wenn Sie aus Versehen einmal lächeln, kriegen Sie immer gleich so ein komisches Augenflimmern? Dann sollten Sie jetzt aber wirklich schnell weiterblättern.
Alle anderen werden ihre Freude haben an diesem unkonventionellen, höchst unterhaltsamen Moderationsformat des delian::quartetts.
Nach Konzerten des delian::quartetts mit kurzen moderierten Elementen – und nach seinen Kinderkonzerten ohnehin – bestürmten es Publikum und Veranstalter immer wieder, doch einmal ein „hochoffiziell“ moderiertes Format anzubieten. Mit Tanz durch die Zeit folgen die Delians diesem Wunsch.
Ihr aufwendig recherchiertes Projekt umfasst zwei Konzerthälften mit jeweils eigenem Gesicht: Die eröffnende präsentiert Tanzstücke quer durch die Musikgeschichte als eine Art amüsant und unterhaltsam moderierte Revue von etwa fünfzig Minuten Länge. Das Publikum wird Teil einer gemeinsamen Sache. Empfohlen sei, die Werkfolge der Tanzsätze nicht en détail abzudrucken – die Überraschung der nächsten Wegbiegung bietet einen eigenen Reiz.
Dies balanciert die kürzere zweite Hälfte des Abends als vermeintlich „ernster“ Kontrapunkt. Die zeitliche Distanz, diesmal sogar zwischen Renaissance und Zwanzigstem Jahrhundert, wird im Handumdrehen noch einmal erlebt. An Byrds „Sing joyfully“, eine fröhlich schillernde „Ouvertüre“, schließt Korngolds geniales zweites Streichquartett erstaunlich nahtlos und fast filmmusikalisch an. Darin klingt eine ganze Welt von augenzwinkernder Heiterkeit bis hin zu wienerischer Melancholie, und der letzte Satz ist – ein Walzer…
Alternativ lässt sich der zweite Konzertteil durch diverse Werke in Absprache wunschgemäß ausleuchten oder schattieren. Sprechen Sie uns gerne an.
Tea for Five
Vergessen Sie Lammbraten mit essigsaurer Minzsoße und warmes Bier ohne Schaum:
Mit diesem Solitär entführen Sie das delian::quartett und der Pianist Enrico Pace mit besten Zutaten und einigen wirklichen Raritäten auf eine wunderbar nostalgische Zeitreise durch die Musik der Insel – very British indeed.
Ein echtes Delian-Projekt ist Tea for Five, das Quintett-Format des delian::quartetts zusammen mit dem Pianisten Enrico Pace. Raffiniert gestrickt, steckt es voller Überraschungen:
Auf dem Programm stehen berühmte Komponisten, doch kaum je gespielte Werke. Es präsentiert drei „große Bs“, aber mitnichten Bach, Beethoven oder Brahms. Und beim Erleben wird man sich fragen, warum man diese Schätze von der Insel erst jetzt entdeckt…
Schon die formale Konzeption dieses englischen Abends ist hinreißend: Beide Konzerthälften versammeln alle fünf Mitwirkenden auf der Bühne. Wie Gentlemen öffnen sie sich gegenseitig die Tür zum jeweiligen Hauptwerk. Den ersten Teil beginnt das delian::quartett mit Byrds schillernden Renaissance-Klängen. Atmosphärisch bruchlos schließt die Streichereinleitung von Frank Bridges über dreihundert Jahre jüngerem Klavierquintett attacca an. Jenes Quintett mag der Fund des Abends sein, voll Nostalgie und rührender Leidenschaft.
Nach der Pause reicht der Pianist seine Hand: Brittens „Sailing“ gleitet auf verträumten Melodien vorüber. Das rhythmische Motiv aus dem stürmischen Mittelteil des Klavierstücks prägt auch den Beginn von Elgars Klavierquintett. Über das rare, spätromantisch anmutende Kammermusikwerk des Komponisten schrieb George Bernard Shaw, es sei „das beste Ding seiner Art seit Coriolan“. In jedem Fall verspricht es ein mitreißendes Konzerterlebnis.
Und wer mag, bekommt zum Ende von Tea for Five eine maßgefertigte Zugabe serviert mit Augenzwinkern.
insight
Musik sehen? Das können Sie im spektakulären multimedialen Bach-Projekt des delian::quartetts in Zusammenarbeit mit dem Video-Künstler Marc Molinos von PiedraMudaLAB.
Betreten Sie surreale Welten. Erleben und erkennen Sie die reiche Musik in Bachs „Die Kunst der Fuge“ auf vollkommen neuartige Weise in Bildern – in Echtzeit und wissenschaftlich fundiert. Ein atemberaubendes, visionäres Format, das in der internationalen Konzertwelt seinesgleichen sucht.
Bach in einer neuen Form des Erlebens und Erkennens: Musik fürs Auge.
Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“ gilt als enigmatisches Gipfelwerk einer ganzen Epoche. Der Blick auf die Partitur erschließt unmittelbar die Größe und die architektonische Perfektion, die das vorklangliche Notenbild durchdringen. Zugleich schenkt Bachs kunstvoll konstruierte Musik dem Hörenden sinnliche Klänge von tiefster Ausdruckskraft. Diese beiden Gedanken verbinden das delian::quartett und der Video-Künstler Marc Molinos von PiedraMudaLAB auf kreative und innovative Weise miteinander in ihrem Videokunst-Projekt insight: In überwältigenden Bildern machen sie die Strukturen der vierstimmigen Contrapuncti in Bachs „Kunst der Fuge“ in Echtzeit sichtbar. Nach zwei Jahren intensiver Forschung und Vorarbeit verschmilzt die uralte Musik mit dem digitalen Raum.
Musiktheoretische Basis von insight ist die umfassende Analyse von Bachs Opus summum durch den Musikwissenschaftler und Komponisten Andrea Damiano Cotti. Sämtliche Elemente der Video-Installation, ihre Erscheinungen, Transformationen und Choreographien, sind hierdurch inspiriert. Vereinfacht gesprochen beruht die Gestalt der „Protagonisten“ der Installation auf den errechneten graphischen Algorithmen der thematischen Variationen; die numerische Analyse der einzelnen Contrapuncti bestimmt den „Plot“ der Video-Sequenzen.
Am Ende findet Bachs polyphone Musik ihren Widerhall in surrealen, künstlerisch interpretierenden Bilderwelten – ein berauschendes, immersives Erlebnis. Damit „Die Kunst der Fuge“ untrennbar in Klang und Bild erlebbar ist, entsteht auf der Bühne ein Gesamtkunstwerk: Die Live-Performance des delian::quartetts wird mittels zweier maßgefertigter Leinwände in die Video-Projektion integriert.
„Irgendwann, fast plötzlich, erkennen Ohren und Augen den Zusammenhang zwischen den musikalischen Themen und den Bewegungen dieser spielenden Punkte, der Wellen, der Schlieren, Striche, Ornamente oder Architekturen. Das ist ein Moment für Gänsehaut, wenn man sinnlich versteht, dass die alte Musik und die neuen digitalen Räume miteinander tanzen…“
Deutschlandfunk Musikjournal
Zu Beginn eines Konzerts empfehlen wir eine unterhaltsame Einführung in die Welt von insight durch die Künstler.
Rilke. Fühlen, wie die Vögel fliegen
Was für ein Unterfangen: Rainer Maria Rilkes einziger Roman ist die Kulisse für ein literarisches Konzertformat von ergreifender Schönheit und poetischer Wahrheit…
Ein dramaturgisches Glanzlicht, das für sich steht – lassen Sie sich berücken vom delian::quartett an der Seite des Iffland-Ring-Trägers Jens Harzer.
Rilke. Fühlen, wie die Vögel fliegen ist inspiriert durch Rainer Maria Rilkes „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“. Darin fasst der große Dichter in eine poetische und empfindungsreiche Sprache, was jede und jeden von uns betrifft: die Suche nach Glück und Sinn und die Auseinandersetzung mit Schicksal und Bestimmung, Angst und Erlösung, Einsamkeit und Trost, mit Tod und Gott, Verzweiflung, Vergebung und Liebe. Mit dem Leben selbst.
Dank der episodischen Tagebuchform von Rilkes „Prosabuch“ konnte das delian::quartett auch hier konzeptionell von der Musik ausgehen: Die einzelnen Texte fügen sich in die Landschaften, die die musikalischen Werke des Projekts aufspannen. Dadurch erhält das Wort-Mosaik eine dramaturgische Geschlossenheit und ein unverwechselbares Gesicht.
Geprägt wird das Geschehen im ersten Konzertteil durch Shostakovichs dunkel-zerrissenes siebtes Streichquartett, dem Andenken seiner verstorbenen ersten Ehefrau gewidmet. Barbers berühmtes Adagio, eines der berührendsten Werke der Musikgeschichte, schenkt dem einen stillen Ausgang. Und in der zweiten Hälfte ist Beethovens furioses op. 95 ein eindrucksvoller Impulsgeber für Rilkes innere Welten.
Parallels
Klassik meets Jazz: Beim delian::quartett gemeinsam mit der Jazzpianistin Julia Hülsmann gerät dies mitnichten zum harmlosen Crossover-Smoothie.
Parallels ist eine bewegende und zutiefst menschliche Reise um jenes singuläre Werk Joseph Haydns, das er selbst für eines seiner besten hielt. Die Idee des Projekts führt auf innovative Weise eine jahrhundertealte Tradition fort, die Haydn seinerzeit mit der Uraufführung seiner Komposition begründete…
In diesem beziehungsreichen Konzert-Format des delian::quartetts zusammen mit der Jazz-Pianistin Julia Hülsmann reichen sich Klassik und Jazz die Hände. Das Publikum erlebt einen Dialog zweier Welten in ihrer Reinform. Unerwartet nahtlos fügen sich beide ineinander – für den Hörer ein außergewöhnliches Erlebnis…
Ausgangspunkt der Idee sind Haydns „Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“. Der Überlieferung nach wurde das Maßstäbe setzende Werk uraufgeführt mit gesprochenen Betrachtungen über jedes der sieben Bibelworte vor der zugehörigen Musik. Und auch heute noch werden „Die sieben letzten Worte“ zwischen den musikalischen Sätzen gerne mit meditativen Lesungen versehen.
Was nun, wenn das delian::quartett auf Sprache verzichtete? Wenn es die tradierte Reihenfolge umkehrte und eine neue, junge Musik meditieren ließe über Haydns wortlos bewegende Klangrede? Der Gedanke, die Vergangenheit in Zwiesprache zu bringen mit dem einen, persönlichen Augenblick des Konzerts, faszinierte auf der Stelle.
Die farbenreichen Reflexionen des Jazzpianos über die „Sieben letzten Worte“ unterstreichen den persönlichen interpretatorischen Ansatz des delian::quartetts, der die große, alte Komposition aus dem kirchlichen Passionskontext löst. Haydns oft allzu hehr und heilig präsentierte Musik gewinnt an Emotionalität und wird menschlich - spricht sie nicht von Dingen, die alle von uns in ihren eigenen Leben finden: von Angst und Vergebung, Schmerz, Verlassensein und Erlösung, Liebe und Tod und der Hoffnung auf ein Paradies?
Parallels ist einzigartig, erhellend, berührend. Wir empfehlen es als bleibendes Erlebnis von 85 bis 90 Minuten Länge ohne Pause.
Shakespeare. Begegnungen
Regelmäßig mit Ovationen bedacht: Auf erstaunliche Weise vereint dieses Delian-Highlight Tradition und Innovation.
An der Seite der großen Angela Winkler präsentiert das delian::quartett Bestes aus den Welten von Wort und Musik: klingende Poesie in einem publikumswirksamen Format für alle.
Mit Shakespeare. Begegnungen, erdacht als Auftragsprojekt für das Shakespeare Festival 2023, geht das delian::quartett neue Wege: Erstmals begann es die konzeptionelle Arbeit an einem literarischen Vorhaben ausgehend von der Musik. Auf diese Weise verlieh es seiner Reise durch das Universum des genialen Elisabethanischen Dichters William Shakespeare eine dramaturgische Geschlossenheit trotz der vielfältigen literarischen Quellen.
Zwei große Streichquartette von geradezu bildhaftem Affekt führen durch das außergewöhnliche Format und sind eine eindrucksvolle Bühne für Shakespeares Kunst. Überraschend stimmig fügt sich das zeitlich so weit entfernte achte Streichquartett Dmitri Shostakovichs in die Texte. Und sogar Felix Mendelssohn Bartholdy entfaltet beim delian::quartett eine unerwartete Wirkung. Sein revolutionäres sechstes Streichquartett lässt jeden Sommernachtstraum hinter sich. Schicksalsschwer und hoch emotional, entstand jenes letzte vollendete Werk des Komponisten unter dem Eindruck des Todes seiner geliebten Schwester Fanny.
Auf der Suche nach atmosphärischen Verwandtschaften mit den musikalischen Welten durchforstete das Ensemble Shakespeares Gesamtwerk in seinen diversen Übersetzungen. Im Zuge einer ausgeklügelten Dramaturgie kommen Protagonist*innen aus sieben bedeutenden Shakespeare-Stücken zu Wort: Macbeth, Lear, König Richard III., Hamlet, Der Sturm, Was ihr wollt und Wie es euch gefällt. Auch einige der berückenden Shakespeare’schen Sonette entdeckten die Delians für ihr Projekt.
Das Publikum erlebt in Klang gebettete Betrachtungen des Menschen, der Liebe und des Lebens von zeitloser poetischer Kraft. Das Wort fügt sich in die Musik, als hätten beide sich durch die Jahrhunderte gefunden. In Shakespeare. Begegnungen treffen nicht nur die Heldinnen und Helden berühmter Theaterstücke aufeinander, sondern so viel mehr: Wort und Musik, Tradition und Innovation, Drama und Zauber und Wahrheit und Traum...
Brecht. Vergnügungen
Wie zart kann Bertolt Brecht hier klingen – und dort: Wie scharf ist seine Klinge? Ein facettenreiches Vorhaben des delian::quartetts lotet diese Spanne aus.
Das Projekt präsentiert die Film- und Theaterlegende Angela Winkler nicht nur als Schauspielerin und charismatische Rezitatorin. Im zweiten Konzertteil erleben Sie sie mit Chansons auf Texte Brechts und mit einer Gesangskunst ganz in der Tradition Lotte Lenyas. Das Wort bestimmt das Herz der Lieder, anrührend in seiner Aktualität.
Handverlesene Texte Brechts durchwirken das gesamte Programm und verbinden die musikalischen Teile dramaturgisch miteinander wie ein rotes Band.
Im ersten Teil stehen sie kontrapunktisch zu Shostakovichs hochemotionalem vierten Streichquartett. 1948 entstand es unter dem Eindruck des Antisemitismus‘ der Stalinzeit und des gegen den Komponisten erhobenen Vorwurfs der „formalistischen Entartungen und antidemokratischer Tendenzen“. Diesem Gegenüber folgt eine Verflechtung von Bertolt Brechts Worten mit Liedern von Weill, Eisler und Bruinier. Sämtliche Liedtexte entstammen ebenfalls der Feder Brechts, die Musik wurde eigens für das delian::quartett eingerichtet.
Seelenempfindsame Zwiegespräche entstehen zwischen Hell und Dunkel, Witz und Bitternis, Desillusionierung und Zärtlichkeit.










